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Die Wirbelsäule, der Bandscheibenvorfall und die Rolle von Physiotherapie

  • Autorenbild: Julia Svacina
    Julia Svacina
  • 4. Aug.
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Aug.

Das Thema Wirbelsäule und Bandscheibenvorfall ist in der Gesellschaft ein häufig besprochenes Thema. Aber wie genau schaut die Wirbelsäule aus, wie ist sie aufgebaut und was ist die Bandscheibe? Was ist ihre Funktion? Und kann sie wirklich nach vorne fallen? Wie kannst Du dem entgegenwirken und wie schaut der Behandlungsplan von PhysiotherapeutInnen nach einem Bandscheibenvorfall aus?

Auf all diese Fragen werde ich in diesem Beitrag eingehen und ein bisschen Klarheit bringen.


Die Wirbelsäule - ein kurzer anatomischer Einblick


Der menschliche Körper hat als Grundgerüst die Wirbelsäule (Columna vertebralis). Sie besteht aus insgesamt 24 Wirbelkörpern (Corpus vertebrae), die sich unterschiedlich aufteilen. In der Halswirbelsäule (HWS) haben wir 7 Wirbel, in der Brustwirbelsäule (BWS) 12 und in der Lendenwirbelsäule (LWS) 5 Wirbelkörper.

Am Ende der LWS haben wir noch das Kreuzbein (Os Sacrum) und das Steißbein (Os coccygis), welche ebenfalls als Teil der Wirbelsäule gesehen werden, aber keine einzelnen Wirbelkörper besitzen, da diese hier zusammengewachsen sind. 


Die Wirbelkörper zeigen einen ähnlichen Aufbau auf, haben jedoch hier und da auch Unterschiede. Der Einfachheit halber fasse ich hier den groben Aufbau zusammen.

Die einzelnen Wirbel bilden die Basis und bestehen aus dem Wirbelkörper, dem rückseitigem Wirbelbogen und den Deckplatten.

Zwischen den Wirbeln befinden sich die Bandscheiben. Durch den Kanal, der durch die Wirbelbogen entsteht, verläuft das Rückenmark (Ausgangspunkt am Gehirn bzw. Schädelbasis), welches in einem durch bis zum Beginn der LWS geht, wo es sich in einzelne Fasern aufteilt. 


Auf dem rückseitig gelegenen Wirbelbogen haben wir zackenförmige Fortsätze - die sogenannten Dornfortsätze (Processi spinosi). Auf den Seiten jeweils recht und links liegen noch die Querfortsätze (Processi Transversi), die je nach Segment unterschiedliche Merkmale aufweisen. 


Zwischen allen Wirbelkörpern bzw. Den Fortsätzen verläuft Muskulatur, die zusammengefasst als „Rückenstrecker“ (Erector spinae) bezeichnet werden, und als Hauptfunktion die Streckung, Seitneigung und Drehung haben. Auch für aufrechte Körperhaltung ist sie zuständig, ebenso entlasten sie die Gelenke zwischen den Gelenken der einzelnen Wirbel. Diese werden Facettengelenke genannt.

Wenn die Muskulatur zu schwach ist kann eine Facettengelenksarthrose entstehen, die mit ihrer Symptomatik einem Bandscheibenvorfall ähneln. Auf dieses Krankheitsbild gehe ich in einem anderen Eintrag ein.



Die Bandscheibe - Anatomischer Aufbau und Funktion 


Die Bandscheiben (Disci intervertebrales) sind im Grunde Verbindungen zwischen den Wirbelkörpern in der Wirbelsäule. Es existieren 23 Bandscheiben. Sie bestehen aus Knorpelgewebe und sind mit den Deckplatten des über und unter ihnen liegenden Wirbelkörpers verwachsen. Der innere Gallertkern, der Nucleus pulposus, ist vom Knorpelgewebe eher weich-elastischer Knorpel bzw. Hat dieser einen höheren Wasseranteil. Dieser Anteil wird nicht durchblutet. Um ihn herum liegt ein Faserring, der Anulus fibrosus. Dieser ist vom Knorpelgewebe eher fest-elastisch und mit den dazugehörigen Wirbeln verwachsen. Aufgrund dessen wird dieser Anteil bis zu einem gewissen Grad durchblutet.

Die Hauptaufgabe der Bandscheibe ist es, als Stoßdämpfer zu wirken, Beweglichkeit zu ermöglichen und zu stabilisieren. Eine Schutzfunktion haben sie auch. 

Man findet die Bandscheiben in der gesamten Wirbelsäule, wobei sie von ihrer Größe variieren - je weiter unten (Bereich Lendenwirbelsäule) desto größer bzw. Dicker werden die Bandscheiben, da die Last auch immer mehr wächst. Im Bereich der Halswirbelsäule sind sie daher kleiner und kompakter.



Was ist der Bandscheibenvorfall?


Bei einem Bandscheibenvorfall (Prolaps, Vorstufe: Protrusion bzw. -vorwölbung) handelt es sich nicht um den wortwörtlichen Vorfall der Bandscheibe, wie fälschlicherweise häufig geglaubt wird.

Man geht von einer Verletzung des Gewebes der Bandscheibe aus, wobei ein Segment oder mehrere Segmente betroffen sein können und die Ursachen verschieden sind.

Im Zuge einer Entzündungsreaktion schwillt das Gewebe der betroffenen Stelle an. Die Schwellung kann auf die nächstgelegene Nervenwurzel „drücken“ bzw. Ihr zu wenig Raum geben, was die Durchblutung des Nervs reduziert. Dieser wird nichtmehr mit Nährstoffen versorgt, was unterschiedliche Symptome auslösen kann.

Die Schwellung geht im Verlauf der physiologischen Wundheilung nach und nach zurück und neues Bindegewebe entsteht. Dieses passt sich den Reizen, denen es ausgesetzt wird, an, was eine adäquate Belastung wichtig macht. Hier kommen wir PhysiotherapeutInnen ins Spiel. Unsere Aufgabe ist es je nach Wundheilungsphase Deine Belastungsgrenze zu finden und Dir optimale Übungen für Dein Genesungsstadium zu zeigen. Ob es manuelle Therapie, sanfte Mobilisationsübungen oder schon beginnende Kraftübungen sind, entscheidend ist sich an den Symptomen zu orientieren und die Behandlung an Deine individuellen Bedürfnisse anzupassen. 



Ursachen/Risikofaktoren eines Bandscheibenvorfalls


Häufige Auslöser eines Bandscheibenvorfalls sind eine langjährige falsche bzw. Einseitige Belastung der Wirbelsäule. Auch ein Missverhältnis zwischen Be- und Entlastung kann die Entstehung begünstigen. Eine schlechte Haltung, zu wenig Kraft in der Rückenmuskulatur, dem Rumpf und der Beinmuskulatur können zur Entstehung eines Prolaps ebenfalls beitragen. Auch die Genetik und generelle Lebensweise spielen eine Rolle, genauso wie der emotionale und psychische Zustand eines Menschen. Dieser Risikofaktor hat erst in den letzten Jahren mehr an Aufmerksamkeit dazugewonnen.



Wann ist eine Operation bei einem Bandscheibenvorfall notwendig?


Häufig kommt im Zuge einer Diagnose die Frage auf - muss man den Prolaps operieren? 

Zu einer OP wird am häufigsten geraten, wenn die betroffene Person unter Inkontinenz leidet. Aber auch bei schweren Fällen von Lähmungserscheinungen oder therapieresistenten Schmerzen wird der Bandscheibenvorfall häufig operiert.

Die Entscheidung, ob Du Dich operieren lassen sollst oder nicht, sollte im Idealfall eine Entscheidung sein die Du selber triffst, in ärztlicher Absprache und auch in Absprache mit Deinem Physiotherapeut /Deiner Physiotherapeutin Deines Vertrauens.



HWS, BWS oder LWS - Wo gibt es die meisten Vorfälle, wie erkennst Du sie und wo äußern sie sich?


Bandscheibenvorfälle treten am häufigsten im Bereich der Lenden- und Halswirbelsäule auf, die Brustwirbelsäule ist sehr selten betroffen. Die Symptome können nur im Bereich der Wirbelsäule auftreten, aber auch Ausstrahlungen in die jeweiligen Gliedmaßen sind sehr häufig.

Die Nerven der Halswirbelsäule versorgen die obere Extremität (Schultern, Teile von den Schulterblättern bis zu den Händen). Die Symptome können bei bestimmten Bewegungsmustern bzw. In bestimmten Alltagssituationen verstärkt werden wie beispielsweise beim Auto fahren, beim Über die Schulter schauen oder bei langen Bildschirmarbeiten.

Die Lendenwirbelsäule versorgt nerval die untere Extremität (Gesäß bis Fußsohle). Die Symptome werden hier, durch die Erhöhung des Drucks im Bauchraum, vor allem beim Niesen, Lachen oder Husten verstärkt. Aber auch bei sonstiger Aktivierung der Rumpfmuskulatur (Tragen von Einkäufen, …) können die Symptome sich verschlimmern.



Was sind Symptome eines Bandscheibenvorfalls?


Die Nerven des Körpers versorgen sowohl Muskulatur als auch Hautbereiche und Organe. Daher variieren die Symptome stark.

Neben starken Rückenschmerzen (häufig über Nacht kommend), Nackenschmerzen, Bewegungseinschränkungen können auch Taubheitsgefühle und kribbeln im Bereich des betroffenen Nervs auftreten. Bei einigen PatientInnen kommen auch Schwächegefühl, Teillähmungen oder komplette Lähmungen vor, die sich häufig aber wieder legen. 

Selten aber doch kommen auch Inkontinenzprobleme vor. Diese Fälle werden, wie bereits kurz erwähnt, häufig operativ versorgt.



Physiotherapeutische Behandlung, Übungen zur Schmerzreduktion und manuelle Therapie bei einem Bandscheibenvorfall


Die Behandlungsstrategien in der Physiotherapie sind sehr vielfältig. Je nach betroffenem Segment, Intensität der Symptome und dem Stadium wird die Therapie an Dich und Deine Bedürfnisse individuell angepasst.

Bei einem genauem Befund werden Tests durchgeführt, die sowohl die Kraft der Muskulatur als auch die Beweglichkeit des Nervensystems betreffen, um herauszufinden welche Strukturen/Bereiche genau betroffen sind. Anhand dieser Ergebnisse erstellen wir gemeinsam einen Therapieplan, der Dich auf optimalem Weg Deinem Ziel näher bringt.

Physiotherapie bei einem Bandscheibenvorfall kann sehr unterschiedlich sein und die Behandlungsmethoden variieren auch je nach TherapeutIn.

Die ersten Einheiten werden wir der Schmerzlinderung widmen. Ebenso werden wir uns damit beschäftigen Deine Beweglichkeit zu verbessern, unter Rücksichtnahme Deiner Schmerzen und Beschwerden. Wir beginnen mit sanften Mobilisationen der Wirbelsäule, Gelenkstechniken und tasten uns langsam zu Kräftigungsübungen heran, die die Genesung unterstützen und einem erneuten Vorfall vorbeugen bzw. Weitere Bandscheibenvorfälle verhindern sollen. 

Von Übungen in Rückenlage und sitzen, bis hin zur Bauchlage und im Stehen ist alles dabei.

Neben Kräfigungsübungen helfen aber auch Dehnübungen dabei, mehr Beweglichkeit zu erlangen. Stabilisierungsübungen für den unteren Rücken und das Erlernen normaler Bewegungsmuster ohne Ausweichbewegungen ist ein ebenfalls großer Bestandteil bei der Behandlung von Bandscheibenvorfällen. Ebenso wie bestimmte Nervenmobilisationsübungen, die die Flexibilität des Nervensystems fördern.

Neben diesen sind passive Techniken auch ein wichtiger Bestandteil um Rückenschmerzen zu lindern. Auch die Rückenschule, um rückengerechtes Verhalten zu lernen und starke Schmerzen zu verhindern ist Teil der Physiotherapie eines Bandscheibenvorfalls.

Wir verfolgen auch das Ziel die Ursache des Bandscheibenvorfalls zu erarbeiten. Daher schauen wir uns auch genau die Alltagsbelastungen an, um Dich für diese optimal vorzubereiten und potentielle Fehlbelastungen zu reduzieren. 


Wann hat Physiotherapie bei einem Bandscheibenvorfall Erfolg? Was Du beachten musst bzw. Letzte Infos


Konservative Behandlungsmethoden wie Physiotherapie sind ein wirksames Tool um weiteren Bandscheibenvorfällen entgegenzuwirken und Dir helfen Deine Beschwerden zu lindern. Eine wichtige Information ist jedoch, dass die Fortschritte von verschiedenen Faktoren abhängig sind. Um in unseren Einheiten das bestmögliche Feedback Deines Körpers zu erhalten, wäre es von Vorteil, wenn du ohne den direkten Einfluss von Schmerzmedikation zu unseren Einheiten kommst. Das hilft uns einzuordnen in welchem Stadium wir uns befinden und fördert so Deine Genesung. 

 
 
 

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