Das Kiefergelenk und Physiotherapie - wie passt das zusammen?
- Julia Svacina

- 4. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Kieferprobleme, Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) und Physiotherapie - ein kurzer Überblick
Hast Du Knackgeräusche bei Kauen oder beim Sprechen? Hast Du häufig ein Sperregefühl bei der Mundöffnung oder Kieferschmerzen? Ständige Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus und ein steifes Genick sind Dir auch nicht fremd? Musst Du wortwörtlich „die Zähne zusammenbeißen“ um durch Deinen stressigen Alltag zu kommen?
Das alles können Symptome bzw. Hinweise darauf sein, dass Du unter einer Dysfunktion des Kiefers leidest - eine sogenannte Craniomandibuläre Dysfunktion.
Mit gezielter physiotherapeutischer Behandlung kann ich Dir helfen, deine Symptome zu lindern und deine Lebensqualität zu verbessern.
In den folgenden Zeilen gebe ich Dir einen groben Überblick über das Krankheitsbild, mögliche Ursachen der Beschwerden, wie Du es erkennen kannst und warum physiotherapeutische Behandlung bei CMD wichtig ist.
Das Kiefergelenk - kurz erklärt
Das Kiefergelenk (Articulatio Temporomandibulare) wird gebildet von der Mandibula (Unterkiefer) und einem Teil des Schädelknochens, dem Os Temporale (Schläfenbein). Zusätzlich zu den in jedem Gelenk vorkommenden Bändern und einer Gelenkskapsel, hat das Kiefergelenk auch noch einen Discus, der als Stoßdämpfer dient. Die Muskulatur in diesem Gelenk öffnet/schließt den Mund, macht seitliche Bewegungen (Mahlbewegungen) und ist beim sprechen, singen, schlucken sehr aktiv, sowie auch beim kauen oder gähnen. Der größte und stärkste Muskel ist der M. Masseter. Neben diesem, gibt es auch noch viele weitere kleine Muskeln, die allesamt für ein reibungsloses Funktionieren des Kiefers verantwortlich sind.
Bei Problemen im Bereich der Kiefergelenke wird nicht nur das Gelenk selbst untersucht, sondern auch die angrenzenden Gelenke wie zum Beispiel die Halswirbelsäule und/oder der Schultergürtel. Diese haben durch Muskulatur, die nervale Versorgung und Faszienzüge eine direkte Verbindung zueinander. Auch nicht außer Acht zu lassen sind Zahnfehlstellungen. Diese können durch die Verbindung über das Ober- und Unterkiefer einen direkten Einfluss auf den gesamten Kieferbereich haben.
Die Craniomandibuläre Dysfunktion - was ist das und auf welche Symptome kannst Du achten?
Die Craniomandibuläre Dysfunktion, kurz CMD, ist ein Problemkomplex der das Kiefer, die Kaumuskulatur und auch die Halswirbelsäule betrifft. Ein häufiges Synonym ist auch temporomandibuläre Dysfunktion (TMD). Zu CMD-Symptomen zählen diffuse Schmerzen im Kiefergelenk, knacken oder reiben im Kiefergelenk, Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus und Probleme bei der Mundöffnung. Die Betroffenen haben häufig einen großen Leidensdruck und fühlen sich in alltäglichen Situationen wie essen, lachen oder auch beim Sprechen häufig eingeschränkt.
Was sind Ursachen und Risikofaktoren einer CMD?
Die Ursachen sind mannigfaltig. Man geht von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus, wie beispielsweise langjährigem Zähneknirschen (Bruxismus), Okklusionsstörungen und Stress. Haltungsstörungen, Zahnprobleme, Fehlstellungen des Kiefers und damit einhergehenden Fehlbelastungen können ebenfalls Auslöser einer Craniomandibulären Dysfunktion sein.
Welche Berufsgruppen beschäftigen sich mit CMD?
Im Laufe der Krankheitsgeschichte, treffen die meisten PatientInnen auf viele verschiedene Berufsgruppen im medizinischen System. Sehr häufig sind es ZahnärztInnen, KieferorthopädInnen, PsychologInnen und PhysiotherapeutInnen. Jede dieser Berufsgruppen hat ihre spezifischen Herangehensweisen und sie unterstützen sich gegenseitig. Für alle stellt eine genaue Anamnese, berufsspezifische Diagnostik und eine Funktionsanalyse die Basis der Therapie dar. Physiotherapie bei CMD ist ein wichtiges Tool, das in den letzten Jahren immer mehr an Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.
Wie wird eine CMD diagnostiziert?
Die Diagnose der CMD wird vor allem von ZahnärztInnen und/oder KieferorthopädInnen durchgeführt. MRT- und Röntgenbefunde geben Auskunft über die strukturelle Situation des Ober- und Unterkiefers und liefern einen guten bildlichen Befund. Ebenfalls durch manuelle Funktionsanalyse und Messungen des Bewegungsausmaßes kann eine Craniomandibuläre Dysfunktion diagnostiziert werden.
Um beitragende Faktoren auszuschließen, bietet es sich an den Nacken- und Halsbereich ebenfalls abklären zu lassen.
Kannst Du selber eine Diagnose durchführen oder gibt es Tests für zu Hause?
Eine professionelle Diagnose und fachliche Abklärung sollte auf alle Fälle durchgeführt werden, um Dir eine bestmögliche Therapie zu ermöglichen, und chronische Kiefergelenksbeschwerden und Muskelverspannungen zu verhindern. Auf die Schnelle gibt es jedoch ein paar Tests, die Du selber ganz einfach durchführen kannst.
Einer davon ist der 3 Finger-Test. Bei diesem Test öffnest Du den Mund soweit Du kannst und kontrollierst dabei, ob Du deinen Zeige- Mittel und Ringfinger in den Mund kriegen würdest. Wenn das nicht der Fall ist, kann das ein Hinweis auf eine CMD sein. Dieser Test gibt dir demnach Auskunft über die aktive Beweglichkeit des Kiefers.
Auch eine Hypersensibilität auf Druck im Bereich des Kiefergelenks und der Kiefermuskulatur kann ein Hinweis sein.
Ebenfalls können deutlich hör- und spürbares Knacken Zeichen einer Craniomandibuläre Dysfunktion sein.
Wie behandelt man eine CMD?
Je nach Ursache, Beschwerde und weiteren Diagnosen gestaltet sich die Therapie unterschiedlich. Wichtig ist eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit mit allen betroffenen Berufsgruppen.
Neben Schienentherapie, Verhaltenstherapie und zahnärztlicher Beratung kann die Physiotherapie helfen, die schmerzhaften Symptome zu reduzieren, Funktionsstörungen entgegenzuwirken, Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich zu reduzieren und das Kausystem zu entlasten.
Wie läuft die Physiotherapie bei CMD ab?
Den Beginn der Behandlung von craniomandibulären Dysfunktionen markiert das Befundgespräch. Nach diesem folgt eine genaue Untersuchung Deines Kiefers - sowohl bei aktiven Bewegungen (kauen, öffnen/schließen des Mundes, gähnen, …) um mögliche Fehlfunktionen zu erkennen, und passiv bei der Untersuchung der Kaumuskulatur.
Eine ganzheitliche physiotherapeutische Behandlung beinhaltet auch einen Befund der angrenzenden Gelenke - der Halswirbelsäule und des Schultergürtels. Diese Bereiche werden mituntersucht, um eine möglichst effektive Behandlung zu gewährleisten.
Anhand der Ergebnisse entwickeln wir gemeinsam einen Behandlungsplan, um Dich in Deiner Genesung und der Erreichung deiner Ziele zu unterstützen.
Neben manueller Therapie im Bereich der Kiefergelenke arbeiten wir auch bei möglichen Dysfunktionen der Halswirbelsäule, um potentielle beitragende Faktoren mitzubehandeln. Auch Entspannungstechniken, um eine Stressreduktion zu gewährleisten, ist Teil der physiotherapeutischen Behandlung bei CMD.
Bestimmte therapeutische Übungen Rund um den Kiefer- und HWS-Bereich runden den Behandlungsplan ab, um Dir möglichst schnell ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Diese können verschieden aussehen und reichen von Spannungsübungen bis hin zu Wahrnehmungsschulung, abhängig von der Ursache.
Die möglichen Begleitsymptome (Tinnitus, Kopfschmerzen, …) werden im Zuge der Physiotherapie mit behandelt.


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